Frankreichtour 2019

Wie ein Urlaub trotz totalem Reinfall zu einem Erfolg wurde – Reisebericht über meine Wohnmobiltour durch Frankreich.

Die Vorgeschichte

Irgendwann im Sommer 2018 packte mich die Idee, den Spottersday beim diesjährigen NATO Tiger Meet in Mont-de-Marsan zu besuchen. Kampfflugzeuge in Sonderlackierung im südlichen Frankreich klang nach tollen Bildern. Also direkt nach meinem Sommerurlaub 2018 den Sommerurlaub 2019 beantragt – ich fürchte, mein Urlaubsvertreter hasst mich immer noch dafür… Und dann habe ich geschaut, was es an Möglichkeiten gibt, nach Mont-de-Marsan zu kommen und so unterzukommen, dass der Spottersday, der üblicherweise Freitags, Samstags oder Sonntags stattfindet, gut besucht werden kann. Schnell war klar, dass es kein Kurztrip werden würde, da die Strecke für „mal schnell hin und zurück fahren“ einfach zu lang ist und auch die möglichen Flugverbindungen waren nicht so, dass ich mir das antun wollte. Also einfach das Angenehme mit dem Angenehmen verbinden 😀 und einen Sommerurlaub draus machen! Aber wenn schon Sommerurlaub, dann doch bitte am Meer! Nun, da liegt Mont-de-Marsan nicht gerade. Luftlinie sind es ca. 65km. Bisschen viel für „Ich geh noch mal kurz zum Sonnenuntergang an den Strand!“! Außerdem kannte ich Frankreich bisher gar nicht. Nur ein Ecke zu besuchen schien mir daher falsch. Und da ich sowieso mal Urlaub mit einem Wohnmobil ausprobieren wollte, warum nicht die Gelegenheit nutzen und aus der Reise zum Spottersday eine „Expedition“ durch Frankreich machen?!

Die Planung

Nun, Planungen sind relativ schwierig, wenn man zu einem Event möchte, von dem man genau weiß, wo er stattfindet, nur ungenau wann und überhaupt nicht, ob man zugelassen wird… Also fing die Planung erstmal damit an, einen Wohnmobilvermieter zu finden. Interessanterweise habe ich bei meiner Internetrecherche in Recklinghausen keinen einzigen Vermieter gefunden. In unserer kleinen Nachbarstadt Marl aber dafür gleich drei! Also Bookmarks gesetzt, die Vermieter würde ich ja später schließlich bezüglich des Wohnmobils anfragen müssen… Ja, man kann Wohnmobile auch von privat mieten. Es gibt da ausreichend Portale, wollte ich aber nicht.

OK, Vermieter ausgesucht, was ist mit der Route? Diagonal durch? Der Küste folgen? Erst nach Süddeutschland und dann „quer“ rüber? Nun, es zieht mich irgendwie immer an die Küste, also habe ich mich entschieden, erstmal grob der Küstenlinie im Norden Frankreichs zu folgen, dann nach Mont-de-Marsan zu verspringen und von dort aus dann spontan zu entscheiden, wie es weitergeht. Grund für diese Grobplanung war, dass sich so die Möglichkeit ergab, den Mont de Saint-Michel zu besuchen. Für mich fotografisch ein Traumziel, musste also auf die To-Do-Liste! Wenn man schon mal in Frankreich ist… 😉 Die grobe Route stand also.

Die Vorbereitung

Mittlerweile war es Winter und die Anmeldung für den Spottersday war noch nicht eingerichtet. Stattdessen wurde der Termin verlegt. Also nicht der des Spotterdays, der war ja noch gar nicht bekannt. Sondern der Termin für die gesamte Übung. Eigentlich sollte es um Pfingsten werden, aber die Übung wurde vorgezogen auf Mitte/Ende Mai. Argh! Meine Urlaubsplanung auf der Arbeit war damit über den Haufen geworfen. Zum Glück konnte ich auch für den neuen Zeitraum Urlaub bekommen. Noch hat mich mein Urlaubsvertreter nicht erschlagen… 😉 Aber dafür wurde dann kurz danach auch die Möglichkeit zur Anmeldung für den Spottersday eröffnet. Und wieder eine neue Hürde: Zur Anmeldung muss die ID des Personalausweises angegeben werden. Super! Mein Ausweis war noch bis April gültig, ich habe also erstmal die alte ID angegeben, zusammen mit dem Hinweis, dass sie sich ändern wird, weil ich einen neuen Ausweis bekomme. Außerdem sollte das Kennzeichen des Fahrzeugs angegeben werden, mit dem man anreisen wird (Parken auf einer Airbase ist kein Spaß…). Super! Hatte ich auch noch nicht! Also in der Anmeldung angegeben, dass ich mit einem Mietwagen komme und daher das Kennzeichen nicht kenne, beziehungsweise erst kurz vorher kennen werde. Ich frage mich, was die Person, die meine Anmeldung bearbeitet hat, gedacht hat. Vermutlich etwas wie „Mon Dieu! Diese Deutschen! Immer kompliziert!“ 🙂

Mit einer kurzfristigen Rückmeldung, ob ich am Spottersday teilnehmen darf, war nicht zu rechnen. Also tauchte die Frage auf, ob ich mit dem Buchen des Wohnmobils warten sollte, bis die Anmeldung durch ist, oder ob ich das Mobil mieten soll, egal ob ich am Spottersday teilnehmen darf oder nicht. Da mir die Wahrscheinlichkeit, kurzfristig ein Wohnmobil mieten zu können, als eher gering erschien, habe ich mich entschieden, den Camper so oder so zu mieten und dann evtl. die Route anzupassen. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, da zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Buchungen in den Kalendern der Mobile zu sehen waren. Hätte ich gewartet, hätte ich vermutlich Keines mehr bekommen…

In der Zwischenzeit habe ich dann meinen Ausweis verlängern (oder besser: neu ausstellen) lassen. Habe jetzt auch einen von diesen Modernen mit Fingerabdrücken, Onlinefunktion und hässlichem (weil biometrischen) Passbild. Während der Wartezeit auf den neuen Ausweis kam dann auch die Bestätigung, dass ich am Spottersday teilnehmen darf. Sofern ich denn die Teilnehmergebühr entsprechend überweise. Gesagt, getan. Und nachdem der Ausweis dann da war, auch gleich die neue ID übermittelt. Und in der Mail mit der Ausweis-ID auch gleich rein geschrieben, dass ich das Kennzeichen weiterhin noch nicht habe, da das Fahrzeug noch nicht zugelassen ist… „Mon Dieu! Diese Deutschen! Immer kompliziert!“ 🙂 Das Fahrzeug war nämlich ein Neuwagen und ich der erste Mieter…

Wohnmobil? Check!
Personalausweis? Check!
Anmeldung? Check?
Route? Ähm, ja, also, so grob, irgendwie… 😉

Nachdem klar war, wann der Spottersday stattfinden würde, war es an der Zeit nochmal etwas Gehirnschmalz in die Routenplanung und das Camperleben im Allgemeinen zu stecken. Also meine (Ex-)Arbeitskollegin/-en von caravannomads.com, Freunde und Google befragt und dabei ist rausgekommen, dass ich für meinen Besuch am Le Mont Saint-Michel definitiv einen Campingplatz buchen möchte und mich ansonsten eher spontan entscheide. Eine gute Möglichkeit hierzu bietet übrigens die App Park4Night (noch so ein Tipp von den Caravannomads! Danke!) Also vorab schon mal den einen oder anderen möglichen Stellplatz rausgesucht und 2 Nächte auf dem Campingplatz am Mont reserviert, so dass die Anreise nach Mont-de-Marsan quasi in trockenen Tüchern war.

Route? Check!!!

Die Tour

Dann war es endlich so weit. Die Woche, in der es Samstags losgehen sollte, brach an und am Montag- oder Dienstagabend klingelte das Telefon: Mein Wohnmobilvermieter! „Ähm, Herr Steiner, also… Sie wollen ja eigentlich Freitag kommen, das Wohnmobil abholen. Ich habe da ein zeitliches Problem. Könnten Sie das Fahrzeug nicht evtl. auch einen Tag früher abholen?“ – „Nun, das wirft meine Planung um, aber ja, das geht!“ Eine kostenlose Nacht extra- Yippie! 😀

Wohnmobil also abgeholt und zuhause erstmal den Frischwassertank gefüllt… Überraschung! 1. Die Füllstandsanzeige für den Tank funktioniert nicht! 2. Schmeißt man die Pumpe für die Wasserversorgung an, läuft das gerade getankte Wasser hinten unterm Wohnmobil auf die Straße! Erfahrene Wohnmobilnomaden werden jetzt sicherlich schreien „Ich weiß was ist! Ich weiß was ist!“. Nun, da ich mich mit Wohnmobilen nicht auskenne und die Einweisung bei der Übergabe dieses Problem nicht behandelt hat, durfte ich also gleich am ersten Abend den Vermieter anrufen und nach Hilfe fragen… Während ich auf den Rückruf durch den Technik-Experten wartete, studierte ich das Handbuch und das brachte mich dann auf die richtige Spur, die auch durch den Technik-Experten bestätigt wurde: An der Therme für Warmwasser und Heizung gibt es eine automatische Frostsicherung, die bei Temperaturen unter 4° Celsius den Ablauf öffnet und die war offen. Also in die Eingeweide des Mobils greifen, einen Hahn umlegen und einen Knopf drücken und dann ist gut…

Am Freitagvormittag ging es dann endlich los! Nein, nicht auf Tour, sondern erstmal zum Einkaufen. Trinkwasser und was zu Essen für die ersten Tage… Aber nach diesem Ausflug ins benachbarte Oer-Erkenschwick ging es dann wirklich los! Ab auf die Autobahn, Tempomat rein. Frankreich, ich komme… Pustekuchen! So problemlos ging es dann doch nicht! Das tolle Wohnmobilnavi hatte einen Stau auf dem Antwerpener Autobahnring ausgemacht und berechnete die Route neu. Ich kannte die Ecke bereits von einer früheren Fahrt und habe mir nichts dabei gedacht, als die freundliche Navi-Stimme mich von der Autobahn lotste…

Als ich mich dann plötzlich mit einem 2,35m breiten, 6,49m langen und 3,49t schweren Wohnmobil in der Antwerpener Innenstadt wiederfand, ging mir kurz die Düse! Wegen ein paar Kilometern Stau auf der Autobahn lotste mich die verdammte Kiste wirklich quer durch die Innenstadt! OK, Herausforderungen sind dazu da, bezwungen zu werden! Ja, es geht, man kann mit dem Wohnmobil durch die Innenstadt. Trotz chaotischen Verkehrs! Trotz Baustelle! Ohne Schäden am Fahrzeug! Uff!

Anschließend dann wieder auf die Autobahn und weiter bis kurz hinter Lille und von daraus dann über Land weiter bis zu meinem ersten angepeilten Stellplatz in Le Hourdel. Über Land mit einem Wohnmobil in Frankreich? Ja, kann man machen, aber… Am Besten hat man für diesen Fall einen Beifahrer/eine Beifahrerin und gutes Kartenmaterial dabei, damit man schnell mal die Routenempfehlung des Navis verifizieren kann. Ich hatte weder das eine, noch das andere. Und auch das geht. Aber die französische Vorliebe für Kreisverkehre und ein schwankendes 3,49t Wohnmobil sind nicht unbedingt Freunde. Ich kann verstehen, dass es schon dem einen oder anderen Mitfahrer schlecht geworden sein soll… 🙂 Hat man dann noch ein Navi, dass trotz Einstellung auf „Schnelle Route“ selbst kleinste Straßen (einspurige Straße mit Gegenverkehr) bevorzugt, dann wird die Überlandtour zur Herausforderung! Lesson learned: Bei der nächsten Etappe unbedingt vorher prüfen, wo das Navi lang will und entsprechend korrigieren!

Le Hourdel

In Le Hourdel angekommen, hatte ich direkt Glück und habe einen Platz auf dem kostenlosen Stellplatz bekommen. Der ist nichts besonderes: ein einfacher Schotterparkplatz ohne Service, aber dafür nur durch einen kleinen Weg vom Strand getrennt. Bei Flut hört man die Wellen auf den Kiesstrand schlagen und kann dabei wunderbar schlafen. Was ich nach einer kurzen Runde durch das Dorf dann auch getan habe…

Am nächsten Morgen genoss ich meinen Tee erstmal am Strand. Während es morgens noch eher bedeckt war, es hatte die Nacht geregnet, klarte es im Laufe des Vormittages immer weiter auf und die weitläufige Baie de la Somme versprühte ihren Charme. Das tat sie so gut, dass ich beschloss, noch eine weitere Nacht hier zu verbringen. Schließlich sind Seehunde in freier Wildbahn, Sonne, Sand und vielfarbiger Kies gute Argumente! Das ist halt der Vorteil am Reisen mit dem Wohnmobil: Man ist flexibel…

Da ich ab Montag den Campingplatz am Mont Saint-Michel gebucht hatte, ich vorher noch etwas anderes sehen wollte und noch ein paar Kilometer fahren wollte, ging es am Sonntag weiter zum Plage de Saint Jouin Bruneval.

Plage de Saint Jouin Bruneval

Den Spot „kannte“ ich bereits aus dem Blog der Caravannomads. Ich wusste also, dass mich ein Stellplatz an einem Ölhafen erwartet. Aber auch ein toller Ausblick auf helle Klippen, einen Kiesstrand und dunklen Sand. Und ich muss sagen, dass der Hafen bei dem Ausblick sehr schnell in Vergessenheit gerät! Hier war kein Glück erforderlich, um einen Stellplatz zu bekommen. Trotz Wochenende war es leer und ich entschied mich, relativ nah am Strand mit dem Heck zu den Klippen Stellung zu beziehen. So konnte man selbst aus dem Wohnmobil bequem auf’s Meer und die Klippen schauen. Nach Einbruch der Dunkelheit kann man auf dem Meer übrigens die hell erleuchteten Kreuzfahrtschiffe sehen. Ein Stück weiter liegt Le Havre, das den Kreuzfahrern als Hafen von Paris verkauft wird. Gut, kann man machen, auch wenn Paris ca. 150km Luftlinie im Inland liegt. Rynair hat ja Weeze auch schon als Düsseldorf verkauft… 😀

Le Mont Saint-Michel

Nach dem Frühstück am Strand von Saint Jouin Bruneval ging es dann am nächsten Tag weiter zum ersten geplanten Highlight der Tour. Ich hatte ja mit der Somme-Bucht und den Klippen von Saint Jouin Bruneval ja erst zwei Ungeplante… Der Berg oder besser die Abtei auf dem Berg ist bereits von weitem zu sehen, da das Umland relativ flach ist, und der Anblick hat mich direkt in seinen Bann gezogen. So bin ich gar nicht direkt zum Campingplatz gefahren, sondern habe die Gelegenheit genutzt, auf einem der zahlreichen Picknickplätze Halt zu machen und habe bei einer Pause den Ausblick auf „Le Mont“ genossen. Danach dann weiter zum Campingplatz – um die riesigen Parkplätze vor Le Mont Saint-Michel herum. Es war ja zum Glück noch keine Saison und innerhalb der Woche, also entsprechend leer. Ich möchte nicht wissen, wie es in dem kleinen Dorf an Land und auf dem Berg zugeht, wenn die Parkplätze voll sind. Denn auch wenn es relativ leer war, auf Le Mont war gut Trubel in den Gassen und in der Schlange zur Abtei-Besichtigung.

Für die Bewältigung der Menschenmassen, die den Berg besuchen, werden zwischen dem Besucherzentrum und dem Berg besondere Shuttlebusse eingesetzt: Damit die Busse an Ihren Endstationen nicht wenden müssen, haben sie jeweils 2 Fahrstände! Kommt also ein Bus an einem der Endpunkte an, steigt die Fahrerin/der Fahrer aus, läuft zum anderen Ende des Busses, steigt in den anderen Fahrstand wieder ein und fährt in die entgegengesetzte Richtung weiter. Oder zurück… 🙂 Wenn man nicht drauf achtet, dann weiß man bei den Dingern nicht, was Vorne und Hinten ist…

Beim Besuch von Mont Saint-Michel lohnt es sich definitiv mal eine Runde durch das Watt zu gehen und den Berg zu umrunden. Auf der Rückseite befindet sich noch eine kleine Kapelle, die bei Flut unzugänglich ist. Zumindest wenn das Wasser sehr hoch steigt. Momentan ist die Bucht ja so verlandet, dass man vermutlich bei einem normalen Hochwasser trockenen Fußes hin und zurück kommt… Außerdem sollte man die 10€ für den Besuch der Abtei (Kinder bis junge Erwachsene kostenlos) plus 3€ für den Audioguide investieren. Das Bauwerk hat eine beeindruckende Geschichte! Man muss nur gut zu Fuß sein, denn auf dem ganzen Berg und auch in der Abtei selbst wimmelt es nur so von Treppen!  😉

Momentan wird auf dem Berg viel restauriert und ein Großteil der Abtei ist nachts daher momentan nicht beleuchtet. Außerdem interessiert mich, wie wohl der Kampf gegen die Verlandung der Bucht vorankommt. Ich habe also gleich mehrere Gründe, in ein paar Jahren an diesen bewegenden Ort zurückzukehren…

Mont-de-Marsan

Nach zwei Nächten am Mont Saint-Michel ging es dann weiter zum eigentlichen Anlass für diese Urlaubstour. Ich „brach meine Zelte ab“ und machte mich auf, die gut 670km nach Mont-de-Marsan zu bewältigen. Schließlich würde hier ja zwei Tage später der Spottersday stattfinden. Nun, was soll ich sagen? 670km das Wohnmobil versetzen, mitten im Urlaub… muss ich nicht nochmal machen. Für An- und Abreise ist die Strecke OK, aber für ein Versetzen innerhalb des Urlaubs für mich definitiv zu lang… Ich bin also Mittwochnachmittag am angepeilten Stellplatz angekommen und habe mich schon gefreut, dass der Park-Automat auch auf Deutsch zu bedienen ist und auch ein großes Visa-Logo auf ihm prangte. Also stand ich mit dem Mobil vor der geschlossenen Schranke, traf am Automaten meine Auswahl, wie lange ich bleiben wolle und ob ich Strom und/oder Wasser bräuchte, schob meine Visa-Karte in den Automaten… Errr, Zahlung abgewiesen! Na gut, vielleicht mag er die Visa-Karte nicht, weil es eine Debit- und keine Kreditkarte ist. Also die Mastercard rausgeholt, das Logo prangte ja schließlich auch auf dem Automaten und den Prozess nochmal durchlaufen… Errr, Zahlung abgewiesen! OK, dann halt die Bankkarte, das Girocard-Logo ist ja schließlich auch auf dem Automaten… Errr, Zahlung abgewiesen! Sch***, drei Karten durch, keine wird genommen, Schranke bleibt zu! Zum Glück saß zu dieser Zeit ein französisches Pärchen vor ihrem Camper. Und obwohl ich kein Französisch spreche und die Beiden kein Englisch und nur bruchstückhaft Deutsch, haben wir es hinbekommen, dass er mit seiner französischen Bankkarte für mich bezahlt hat und ich ihm das Geld in bar gegeben habe. Da soll nochmal jemand sagen, die Franzosen seien ein unfreundliches Völkchen! Für dieses Vorurteil kann ich übrigens auf der ganzen Reise keine einzige Bestätigung finden. Egal mit wem ich es zu tun hatte, man war immer freundlich und hilfsbereit! Da das gleiche Problem noch mehrere Camper hatten und jemand mit Französisch-Kenntnissen die Hotline angerufen hat, haben wir dann später erfahren, dass es daran liegt, dass momentan das Internet am Platz nicht funktioniert und ausländische Karten nicht geprüft werden können…

Da ich noch einen Tag Zeit bis zum Spottersday hatte, erkundete ich also am Donnerstag bei bestem Wetter die Stadt. Nun, viel zu bieten hat Mont-de-Marsan für mich nicht. Es hat ein kleines Stadtzentrum um den Marktplatz und großes Einkaufzentrum am Stadtrand. Zum Abend hin zog es sich immer weiter zu, so dass ich mit einem dumpfen Gefühl in der Magengegend die Wettervorhersage für die Nacht und den nächsten Tag abrief. Leider sollte mich mein Gefühl nicht täuschen: für die nächsten 24 Stunden waren Dauerregen vorhergesagt. Und genau so kam es dann leider auch. Der Spottersday fand im Regen statt, was natürlich die Bildausbeute völlig zunichte machte. Nach 2 Stunden war ich komplett nass, da zu allem Überfluss die Außenjacke meiner Doppeljacke nicht mehr dicht ist. Ich brach meinen Besuch also ab, legte mich im Camper erstmal trocken und fuhr zurück zum Stellplatz. Zu diesem Reinfall von meteorologischer Seite kommt auch noch eine schlechte Organisation: Ich habe 1,5 Stunden vor der Airbase im Stau gestanden, weil die Posten zu langsam mit dem Überprüfen der Kennzeichen waren. Und dann nochmal eine Stunde in der Schlange bei der Taschenkontrolle, weil man für 3000 Besucher nur 2 Kontrollen aufgebaut hatte. Den Patch, den es eigentlich immer bei solchen Veranstaltungen gibt, habe ich auch nicht bekommen, man hatte zu wenige. Gerüchten zufolge 300 Stück für 3000 Besucher… Ziemlich frustriert stand ich also wieder auf dem Stellplatz und überlegte, was ich machen sollte. Der Stellplatz war noch für eine Nacht bezahlt, aber was soll ich hier im Regen? Also die Stellplatz-App und die Wetter-App kontaktiert und tatsächlich: An der Küste sollte das Wetter trocken sein und noch besser werden. Also auf an die Küste nach…

Biscarrosse-Plage

Und tatsächlich: hier war das Wetter trocken und der Stellplatz auch sehr schön. Ein Pinienwald in Strandnähe, durch den Fahrwege gezogen wurden und in Parkbuchten parallel zu den Wegen konnte man den Camper abstellen. Sehr schön, da gar nicht die Gefahr bestand, das einem andere zu dicht auf die Pelle rücken!  😉 Vom Stellplatz aus führt ein Fußweg durch die Dünen an einen scheinbar endlosen Strand mit kräftigen Atlantikwellen. Ein Surferspot! Biscarrosse-Plage erkundete ich noch am selben Tag. Leider hat die Saison noch nicht begonnen und in dem Dörfchen war nichts los, nicht einmal die meisten Läden…

Am nächsten Morgen machte ich mich auf eine kleine Radtour, um Biscarrosse-Lac zu sehen und in Biscarosse selbst etwas einzukaufen. Aus der kleinen Radtour sind dann doch immerhin etwas über 20km geworden… 😀 Biscarrosse-Lac hat gleich mehrere Campingplätze und der Strand am See ist definitiv eine Alternative, wenn es mal nicht der raue Atlantik sein soll. Überhaupt ist die ganze Gegend sehr schön und auch etwas für Mountainbiker, da etwas hügelig und man in den Wäldern mehr als ausreichend Platz für Touren hat. Den schönen Stellplatz habe ich mir dann auch direkt 2 Nächte gefallen lassen.

Île d’Oléron / Le Château-d’Oléron

Hierher hat es mich eigentlich nur gezogen, weil der Stellplatz mit einer schönen Dusche lockte. Naja, was andere als schön empfinden, habe ich eher als runtergekommene Bruchbude empfunden… Auf der Île d’Oléron schien es irgendwie noch ruhiger zuzugehen als an den anderen von mir besuchten Orten. Le Château-d’Oléron hat eine Zitadelle, die besichtigt werden kann. Hier haben sich Künstler niedergelassen und schaffen ihre Werke. Ansonsten gibt es noch einen kleinen Hafen. Vielleicht wäre an der Nordspitze noch etwas mehr los gewesen, aber die habe ich nicht besucht. Ich bin nach einer Nacht lieber weiter nach…

Les Moutiers-en-Retz / Port du Collet

…gefahren. Schließlich versprach hier die Nähe zu einer Austernfarm die eine oder andere spannende „Entdeckung“. Die hat es dann auch tatsächlich gegeben. Zum Einen ist Les Moutiers-en-Retz ein schönes Dörfchen, dessen Bewohner bei Ebbe raus zu den Austernbänken laufen, dort die Austern von den Steinen sammeln und zurück am Strand erstmal mit einer Flasche Wein ein Picknick machen. Ein sehr gemütliches Volk, diese Franzosen! 🙂 Zum Anderen, dass es hier einen Austern-Automaten gibt, an dem man sich 24 Stunden am Tag/7 Tage die Woche seine Austern direkt vom Züchter holen kann. Und obwohl der Automat sogar Kreditkarten nahm, waren die Austern gar nicht mal teuer. 9€ für den kleinsten Korb bis zu 21€ für den größten.

Außerdem gibt es hier Fischerhütten, von denen aus ein Netz herabgelassen wird, das sich dann auf den Meeresboden legt. Nach einer Zeit wird das Netz wieder hochgezogen und der Fang herausgeholt. Zu erreichen sind diese Hütten über Holzstege vom Strand aus. Ein super Motiv für Fotos zum Sonnenuntergang! Im Hafen Port du Collet oder von der Strandpromenade aus kann man schön beobachten, wie die Austernzüchter ihrer Arbeit nachgehen und mit Beginn der Flut ihre Gerätschaften und die Austern an Land bringen. Auf die Traktor-Fahrkünste der Austernzüchter dürfen die deutschen Bauern neidisch sein. Wie die ihre Schlepper samt beladenen Anhängern vom Strand über eine verwinkelte Auffahrt an Land brachten, war wirklich beeindruckend!

Plage de Saint Jouin Bruneval

Kannte ich ja bereits, schließlich habe ich hier etwas über eine Woche zuvor schon einmal gestanden. Trotzdem war es schön, hier nochmal eine Nacht zu verbringen. Außerdem gibt es oberhalb der Klippen eine ordentliche Ver- und Entsorgungsstation, deren Dienste ich benötigte… Trotzdem hielt der Spot auch für diese Nacht eine Überraschung für mich bereit: Zum Abend tauchten Reiterinnen auf, die den durchs ablaufende Wasser freiliegenden Sandstrand für kurze Ausritte nutzten. Natürlich ein gern genommenes Fotomotiv. Leider musste ich feststellen, dass die Frittenbude am Strand nur am Wochenende auf hat (zumindest außerhalb der Saison). Ein paar fettige Pommes wären an dem Tag echt die Krönung gewesen!  😉

Le Tréport

Wie fast die ganze Rückfahrt wieder eine spontane Wahl und wieder eine sehr gute! Der Stellplatz liegt oberhalb beeindruckender Klippen und der obere Ortsteil ist mit dem Hafenbereich über das Funicilaire du Tréport verbunden; 4 kleine cable cars, die einen kostenlos hoch und runter bringen. Kostenlos! Ist gerade keine Kabine da, kann man sie per Knopfdruck anfordern, einsteigen und in 2 Minuten bringt sie einen zur jeweils anderen Station. Sehr praktisch, zumal man sich so im Hafen eine Pizza holen, mit der Bahn nach oben fahren und mit Ausblick auf die Klippen die Pizza genießen kann. Im Hafen hatte ich dann auch meinen Erstkontakt mit einem lebenden Hummer. Er wollte aus der Auslage des Fischhändlers auf den Gehweg flüchten und ich habe mir erlaubt, ihn zurück in seine Kiste zu bugsieren… 🙂 Überhaupt ist jeder, der Fisch und Meeresfrüchte liebt, hier an der richtigen Stelle. Zum selber Kochen bieten Fischhändler und der Fischmarkt alles mögliche und wer lieber essen geht, der findet eine reichhaltige Auswahl an Restaurants. Nach 2 Nächten „Trubel“ in diesem Hafenstädtchen durfte es dann auch wieder ruhiger zugehen und ich versetzte den Camper nach…

Cayeux-sur-Mer

…das ich ja auch schon kannte. Schließlich liegt es neben Le Hourdel (beziehungsweise Le Hourdel ist ein Ortsteil von Cayeux-sur-Mer) und ich hatte es am Anfang meiner Reise bereits per Rad erkundet. Dieses Mal lief es quasi genau andersherum: Ich stand in Cayeux-sur-Mer und bin mit dem Rad nach Le Hourdel gefahren, um nochmal nach den Seehunden zu schauen. Dabei bin ich dann auch an dem Stellplatz vorbeigekommen, auf dem ich zwei Wochen vorher gestanden habe. Ich muss viel Glück gehabt haben, da direkt einen Platz bekommen zu haben. Es war gerade mal früher Nachmittag und der Platz brechend voll… 😀

Da der nächste Morgen mit Regenwetter begann und die Wetter-App keine Besserung versprach ging es dann nach einer Nacht am Samstag über Calais und Antwerpen nach hause. Dieses Mal aber über die Autobahn und nicht über französische Landstraße und die Antwerpener Innenstadt!  😀

Fazit

Ich bin mir noch nicht sicher, ob Urlaub mit dem Wohnmobil das Richtige für mich ist. Irgendwie fehlt mir die Geräumigkeit eine Ferienwohnung und die Möglichkeit, Dinge einfach mal irgendwo abzulegen und da liegen zu lassen. Zum Beispiel meine Fototasche: In einer Ferienwohnung liegt sie üblicherweise griffbereit auf einem Tisch oder einem Schrank. In einem Wohnmobil geht das so nicht. Entweder ist sie kurze Zeit später im Weg, weil man die Fläche für etwas anderes braucht, oder sie muss sicher verstaut werden, damit sie beim Fahren nicht durch die Gegend fliegt. Auf der anderen Seite hat man aber die Möglichkeit, an wirklich schönen Stellen zu übernachten, an denen es sonst nicht direkt ein Hotel oder eine Ferienwohnung gibt.

Sicher ist aber, dass Frankreich für mich definitiv mehr als eine Reise wert ist. Ich denke, das Land wird mich nicht zum letzten Mal gesehen haben!

Zurück bleibt das komische Gefühl, dass die Reise, obwohl der eigentliche Anlass komplett ins Wasser gefallen ist, unglaublich schön war! Hauptattraktion ein Reinfall aber das ganze Drumherum hat dem Hauptevent komplett den Rang abgelaufen!

Außerdem hatte ich mir den Camper mit der Option gemietet SAT-TV an Board zu haben (Bin halt ein TV-Junkie). Diese zusätzlichen Kosten hätte ich mir sparen können: Ich habe die Anlage nicht einmal eingeschaltet und habe es auch überhaupt nicht vermisst!

Bilder

2 Kommentare zu "Frankreichtour 2019"

  1. Wie hast du die Fotos vom Mt. St. Michel ohne Touristen hin bekommen? So ganz ohne chinesische Touristen 😉

    • Thorsten Steiner | 28. Mai 2019 um 20:55 | Antworten

      War eigentlich kein besonderes Hindernis! Zwischendurch haben mich mal ein paar Koreaner nach dem besten Punkt für Fotos gefragt. Denen habe ich gesagt, sie sollen einfach neben mir bleiben! 😉
      Es war einfach relativ leer. Vielleicht hatte ich einfach das Glück, dass ich außerhalb der Saison und unter der Woche da war!

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